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Gesamtwertung
Nach dem gelungenen Coup in Boston machen es sich Christopher Johnson, Brian Harding und dessen Verlobte Rachel Elaine Parker auf den Caiman Inseln bequem. Doch der russische Oligarch Jewgenij Iwanowitsch, genannt Stalin, hat noch eine Rechnung mit Johnson und seinen Freunden offen, denn er hat die Doping-Droge, die beim Boston-Run getestet und feilgeboten wurde, erworben, um eine leistungsstarke Armee auf die Beine zu stellen. Allerdings ist Stalin mit den Nebenwirkungen der Droge alles andere als zufrieden und lässt Elaine, Christopher und Brian entführen. In seinem Durst nach Rache hat sich Stalin eine besonders perfide Bestrafung für die beiden Männer ausgedacht. Christopher Johnson und Brian Harding müssen beim weltberühmten New York Run antreten. Dort sollen sie die Chance bekommen die Wirkung der Doping-Substanz zu demonstrieren. Sollten sie jedoch versagen, sind die Konsequenzen fatal, denn die beiden Männer tragen Laufschuhe mit Sprengsätzen, die automatisch detonieren, wenn Chris und Brian stehenbleiben und die Sohlen ihrer Schuhe nicht regelmäßig auf den Boden aufsetzen und abheben.
Durch Zufall erkennt Bart Lucas, Chef der NSA für die US-Ostküste und Elaines ehemaliger Vorgesetzter, den totgeglaubten Christopher Johnson unter den Läufern. Sofort macht er sich auf den Weg nach New York und setzt sich mit der dortigen Einsatzgruppe der CIA, unter der Leitung von Elisabeth Bancroft, in Verbindung. Ihr gemeinsames Ziel: Die Läufer von den Schuhen befreien und herausfinden was Stalin in seinem Größenwahn wirklich plant. Denn eines steht fest: Der New York Run dient lediglich als Ablenkung für ein viel größeres und bedeutenderes Vorhaben …
Nach dem wirklich großartigen Krimi-Debüt „Boston Run“, einem einzigartigen Sportlerkrimi, der auch als Hörbuch, gelesen von Johannes Steck, beim Publikum hervorragend ankam, war eine baldige Fortsetzung der nächste logische Schritt. Doch oft bleiben diese weit hinter den Erstlingen und den daran geknüpften Erwartungen zurück. Auch im Fall von „Boston Run“ musste man sich die Frage stellen, was der Autor Frank Lauenroth zu diesem Thema noch zu sagen hat? Die Antwort ist einfach: Jede Menge! Tatsächlich überrascht der zweite Marathon-Thriller „New York Run“ mit einer vielschichtigen, äußerst gut durchdachten Handlung, die im ersten Moment zwar ein wenig wie „Speed“ auf Schusters Rappen klingt, aber von der ersten bis zur letzten Zeile absolut fesselnd ist. Eingebettet in eine spannende Spionagestory ist Frank Lauenroths zweiter Krimi aus der Sportwelt aber auch für Marathonmuffel eine rasante und vor allen Dingen kurzweilige Lektüre. Selbst das Klischee vom bösen Russen, der sich auch noch nach dem faschistischen Vorbild Stalin benennt, stört dabei kaum. Obwohl sich der Roman wie eine Mischung aus „James Bond“ und „Speed“ liest, ist er in sich schlüssig und glaubhaft und keineswegs eine bloße Neuauflage des ersten Buches. Frank Lauenroth ist es darüber hinaus gelungen auch die Charaktere anschaulich und lebendig zu schildern. Vor allem Christopher Johnson und Brian Harding hat man als Kenner des ersten Bandes ohnehin ins Herz geschlossen, und dass beide Männer an den Start gehen ist für die Fortsetzung von „Boston Run“ absolut gerechtfertigt. Am Ende bekommt man zwar schnell den Eindruck, dass der Autor mit Stalins eigentlichem Plan ein wenig über das Ziel hinausgeschossen ist, doch irgendwie passt dieses größenwahnsinnige Unterfangen zum perfiden Genie des Russen. Die Arbeit der Geheimdienste wird authentisch und nicht zu übertrieben geschildert. Mit dem uneinsichtigen Programmchef der NBC hat der Autor darüber hinaus einen kleinen Seitenhieb auf die immer skrupellosere Medienlandschaft eingebaut: The show must go on – ungeachtet der Opfer. Ein Register der Hauptfiguren und eine Übersichtskarte der Laufstrecke vervollständigen den Band, den sich kein Freund gut durchdachter Action-Thriller entgehen lassen sollte.
Das Covermotiv zeigt die beiden Freunde Christopher Johnson (Startnummer 5439) und Brian Harding (Startnummer 5417). Wie schon beim ersten Band stimmt das Titelbild auch dieses Mal im Detail und zeigt genau das Outfit, das die Protagonisten auch im Buch tragen, bis hin zu den Sportschuhen mit dem Disc-System. Die Aufmachung des Taschenbuchs ist äußerst hochwertig, angefangen bei der Papierqualität, bis hin zum Satzspiegel und dem professionell gestalteten Umschlag.
Fazit:
Lauf um dein Leben! Frank Lauenroths zweiter Marathon-Thriller ist eine aberwitzige Mischung aus „James Bond“ und „Speed“, bleibt aber trotzdem stets eigenständig und glaubwürdig. „New York Run“ hat alles was einen guten Thriller ausmacht: Spannung, Action, Tempo und Witz. Endlich wieder ein Buch, das es Wert wäre verfilmt zu werden.