Das Geheimnis von Compton Lodge

  • Gesamtwertung
4

Das Geheimnis von Comptoe Lodge

Im Januar 1899 wird Dr. Watson von einem schweren Fieber ins Bett gezwungen, gehegt und umsorgt von Mrs. Hudson und seinem besten Freund Sherlock Holmes. Kaum wieder halbwegs genesen irritiert der Detektiv den ehemaligen Militärarzt mit Fragen nach einem Ort namens Compton Lodge. Zunächst kann Watson mit diesem Begriff nichts anfangen, doch dann hilft ihm Holmes auf die Sprünge, denn dort residierte einst Watsons Großvater mütterlicherseits Sir Edward Ashton. Und obwohl sich Watson nicht daran erinnert jemals auf Compton Lodge gewesen zu sein, muss er sich dort als Kind oder Jugendlicher zumindest zeitweise aufgehalten haben, denn Holmes hat akribisch über Watsons Fieberphantasien Buch geführt. Schließlich benachrichtigt Sherlock Holmes Andrew Jeffries, den einstigen Privatsekretär von Sir Edward Ashton, der Watson für tot gehalten hat. Vor 25 Jahren ließ Ashton seine engsten Verwandten nach Compton Lodge kommen, um seine Erbschaftsangelegenheiten zu regeln. Damals muss es zu einem Vorfall gekommen sein, der dafür sorgte, dass Watson jegliche Erinnerungen an Compton Lodge und die Ereignisse von damals verdrängte. Sherlock Holmes und Dr. Watson beschließen das Rätsel zu lösen, und das keine Sekunde zu früh, denn die Schatten der Vergangenheit drohen nun auch die Gegenwart zu verdüstern …

Als Fan von Sherlock Holmes und den Werken von Sir Arthur Conan Doyle stellt man schnell fest, dass man rasch sämtliche verfügbare Literatur abgegrast hat. Umso erfreulicher ist es da, dass es immer wieder Autoren gibt, die sich den Figuren von Doyle annehmen und sie in neuen Fällen agieren lassen. Legt man jedoch wert auf klassische Fälle oder auch persönliche Episoden aus dem Leben der Protagonisten wird man feststellen, dass es auch hier nur eine begrenzte Anzahl an Publikationen gibt. Eine Novelle im Sinne des Kanons, überaus dicht an den Stil von Sir Arthur Conan Doyle angelehnt, hat Peter Jackob mit „Das Geheimnis von Compton Lodge“ verfasst. Allerdings ist dies bereits sein zweiter Sherlock Holmes-Roman. Jackob erweist sich als Kenner der Materie, der Holmes zwar nicht die Welt retten lässt, dafür aber zumindest ein wichtiges Rätsel aus Watson Vergangenheit lüftet. Aus den Geschichten von Doyle erfährt man nur spärlich etwas über die Kindheit der beiden Hauptfiguren. Der Autor des vorliegenden Werks, Peter Jackob, hat dies geändert und auch den ersten „Fall“ von Sherlock Holmes sehr amüsant geschildert, in dem er als Kind der gestohlenen Stimmgabel seines Vaters nachjagte. Doch trotz der dichterischen Freiheit der Lebensgeschichte der beiden Hauptfiguren entscheidende Episoden hinzuzufügen, bleiben die Protagonisten authentisch und werden von Jackob sehr behutsam durch den Roman geschleust. Der eigentliche Kriminalfall ist sehr gut durchdacht und recht anspruchsvoll. Der Leser wird nicht mit der typischen Detektiv-sucht-Mörder-Geschichte unterhalten, sondern mit einem Plot, der tief in die Vergangenheit und die Historie der anglikanischen Kirche hineinreicht. Und Sherlock Holmes darf abermals zeigen was in ihm steckt. Er deduziert, ermittelt und hüllt sich in geheimnisvolles Schweigen, dass es eine wahre Freude ist. Jackob bleibt der Charakterisierung, die Sir Arthur Conan Doyle vorgegeben hat, in jeder Zeile treu und verwöhnt den Leser endlich wieder mit einer klassischen Holmes-Novelle von gefälliger Länge. Dass „Das Geheimnis von Compton Lodge“ nicht so populär ist wie „Das Geheimnis des weissen Bandes“ von Anthony Horowitz beweist, dass der Erfolg eines Buches nur bedingt von der Qualität des Geschriebenen abhängig ist, sondern in hohem Maß auch von Werbung und Vermarktung.

Das schmale Taschenbuch des Gollenstein Verlags ist von hoher Qualität, was man für den stolzen Preis von knapp 15 Euro aber auch erwarten kann. Die Titelbildgestaltung ist leider recht einfallslos ausgefallen und könnte jeden Sherlock Holmes-Roman zieren. Ein wenig mehr Bezug zum Inhalt hätte der Aufmachung gut getan. Dafür hilft eine kleine Übersichtskarte der Grafschaft Kent bei der Orientierung.

Fazit:
Klassischer Fall für Sherlock Holmes, der den Detektiv nicht nur mit der Geschichte der englischen Kirche konfrontiert, sondern auch mit der Vergangenheit seines Freundes Dr. Watson. Peter Jackob ist es gelungen auf höchst unterhaltsame und anspruchsvolle Weise an den Kanon von Sir Arthur Conan Doyle anzuknüpfen.

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