Flesh Gothic

  • Gesamtwertung
4

Flesh Gothic

Die luxuriöse Villa des exzentrischen Milliardärs Reginald Hildreth in Florida wird mit seinen 66 Zimmern Schauplatz einer Tragödie von beispielloser Brutalität. Bei einer seiner berüchtigten Orgien geht etwas entsetzlich schief und plötzlich sind sämtliche Gäste, Pornodarsteller und -darstellerinnen, sowie einige Prostituierte, tot. Grausam zerstückelt und regelrecht abgeschlachtet. Nur von dem Gastgeber und Hausherrn fehlt bis zur Stunde jede Spur. Seine Frau Vivica kann und will sich mit dem Verschwinden ihres Mannes nicht abfinden. Daher beauftragt sie eine handvoll parapsychologischer Ermittler und medial veranlagter Personen den Verbleib ihres Gatten aufzuklären. Alexander Nyvysk, ehemaliger Priester und Exorzist, ist der Anführer der Truppe. Adrianne Saundlund und Cathleen Godwin sind Medien mit der Fähigkeit außerkörperlicher Wahrnehmung und transzendentaler Reisen. Patrick Willis indes ist in der Lage durch bloße Berührungen von Gegenständen und Personen ihre dunkelsten Geheimnisse zu ergründen. Ebenfalls mit dabei ist der Journalist und Schriftsteller Westmore, der von Vivica Hildreth persönlich beauftragt wird, die Gruppe unterschiedlicher Personen im Auge zu behalten und zu beobachten. Darüber hinaus sind Vivicas persönliche Assistentin Karen und der Sicherheitschef Mack mit von der Partie. Doch während Karen, Westmore und Mack nicht an Geister glauben wollen, sind die restlichen Anwesenden davon überzeugt, dass das Haus mit einer immensen negativen Energie aufgeladen ist und von den Geistern der Verstorbenen heimgesucht wird. Und schließlich kommt es zu ersten Übergriffen aus einer anderen Dimension …

Das Buch hat alles was man von einem Roman aus der Feder von Edward Lee erwartet: Glaubwürdige Charaktere, eine spannende Handlung und natürlich jede Menge Sex und Gewalt. Im Vergleich mit Werken wie „Bighead“ und „Creekers“ hält sich die exzessive Brutalität im vorliegenden Roman zwar etwas zurück, ist aber immer noch sehr explizit und gewiss nichts für schwache Nerven, vor allen Dingen bei der detaillierten Beschreibung verstümmelter Genitalien. Die Geschichte erinnert an einschlägige Geisterhaus-Horrorfilme, beginnend bei dem Klassiker „Bis das Blut gefriert“ bis hin zu „Haunted Hill“. Vor allem die Charaktere weisen starke Parallelen zu dem erstgenannten Film oder seinem Remake aus dem Jahr 1999 auf, die beide auf dem Roman „Spuk in Hill House“ von Shirley Jackson basieren. Auch bei Lee gibt es ein sexuell sehr aktives und freizügiges Medium (Cathleen Godwin) und eine eher unscheinbare, beinahe verklemmte Frau (Adrianne Saundlund). Der jugendliche Draufgänger wird in diesem Fall von dem Sicherheitschef Mack verkörpert und der souveräne Anführer heißt hier Alexander Nyvysk, der dem Spuk mit allerlei technischem Schnickschnack auf die Spur kommen will. Der pornographische Hintergrund ist bei Edward Lee gewissermaßen obligatorisch und wird in diesem Fall durch die Beschwörung eines Dämons gerechtfertigt, der eifrig der Fleischeslust frönt und Luzifers erster Diener ist. Obwohl gerade erfahrenen Lesern von Horror-Literatur die Zusammenhänge schnell ersichtlich zu sein scheinen, schafft es Edward Lee dennoch den Leser am Ende zu überraschen. Wer die Werke von Richard Laymon kennt, von Edward Lee bislang aber noch nichts gelesen hat, kann hier bedenkenlos zugreifen. Es lohnt sich.

Die Übersetzung von Michael Krug ist außerordentlich gut gelungen und auch das Lektorat hat sehr sorgfältig gearbeitet. Schriftgröße, Satzspiegel und Papierqualität lassen keine Wünsche offen und der hochwertige Umschlag in Lederoptik fässt sich zudem sehr angenehm an. Das Cover von Danielle Tunstall passt gut zu Titel und Inhalt, obwohl es kein direktes Motiv aus dem Roman zeigt.

Fazit:
Moderner Geisterhaus-Horror mit glaubwürdigen Charakteren und expliziten Darstellungen von Sex und Gewalt. Nichts für schwache Nerven, obwohl der Roman keineswegs so hart und grenzwertig ist wie „Bighead“

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