Konzepte und Idee für eine Vereinbarkeit von Arbeit und private Leben
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Insgesamt
Kurzfassung
Eine zum Thema sehr gehaltvolle und lesenswerte Lektüre.
Die Unabhängigkeit der Arbeit von Zeit und Ort durch moderne Kommunikations- und Arbeitsmedien hat in den letzten Jahren massiv zugenommen und ein Ende der Entwicklung ist bei Weitem noch nicht abzusehen.
Mit den bekannten und immer deutlicher werdenden Folgen der Schwierigkeit, die eigenen Lebensbereiche so voneinander abgrenzen zu können, dass eine gesunde Balance zwischen Arbeit und Privatem, Beruf und Familie, Aufgaben und Hobbys entsteht.
Nicht nur die Zunahme psychischer Erkrankungen aufgrund des Druckes durch eine immer effektiver und weiträumiger getaktete Arbeitswelt spricht hier eine deutliche Sprache, auch die Geschwindigkeit, mit der Entscheidungen getroffen und Information, zudem in nie gekannter Fülle, aufgenommen werden, überfordern den Menschen. Wobei diese Entwicklung nicht nur durch die Aufgaben der beruflichen Tätigkeit in das gesamte Leben mit einfließt, sondern auch das rein private Verhalten durch hohe Freizeitaktivitäten und ein „über-fülltes“ Leben hier und da fast schon als „Arbeit“ angesehen wird.
Differenziert legt Uta Kirschten dem Leser den Status Quo vor Augen, geht ebenso auf die veränderten Rollenbilder, die zunehmende Berufstätigkeit von Frauen und die Zunahme allgemeiner beruflicher Unsicherheit (mit ihren Folgen für die eigene Haltung im Blick auf die Breitschaft, Druck auf sich zu nehmen) vertiefend ein.
Im Kern allerdings, nach einer gründlichen Betrachtung der sich verändernden Welt, des sich weiter entwickelnden Arbeitslebens und allgemeinen „beschleunigenden“ Elemente des „modernen Lebens“ (mitsamt der dadurch entstehenden Risiken vor allem für die psychische Gesundheit), fasst Kirschten die Ergebnisse der „Work-Life-Balance“ Diskussion der letzten Jahre zusammen.
Hier legt sie zum einen die „Modelle zur Interaktion zwischen Berufs- und Privatleben“ gut verständlich vor (nicht-kausale Modell, kausale Modelle, integrative Modelle, dynamische Modelle), bietet dem Leser aber auch als Ergebnisse der theoretischen und praktischen Diskussion eine zielgruppendifferenzierte Darlegung von möglichen „Maßnahmen zur Umsetzung einer Work-Life-Balance“. Dies alles vollzieht sich dabei keineswegs auf der Ebene üblicher Ratgeber, sondern bleibt durchweg wissenschaftlich fundiert und argumentiert.
Von der „Gestaltung des Arbeitsplatzes“ über hilfreiche (und notwendige) Veränderung von Strukturen bei Arbeitsgebern (Wiedereinstiegsprogramme, Unterstützung bei der Kinderbetreuung, aber auch in Bezug auf u.U. pflegebedürftige Angehörige) bis hin zu gesundheitsorientierten Maßnahmen reicht hier die Palette der möglichen und konstruktiven Umsetzung der Erkenntnisse in die gesellschaftliche und individuelle Praxis.
Neben konkreter Nennung von Initiativen (und damit Hilfsadressen) von Projekten schließt Kirschten mit einem konkreten Ausblick auf die konstruktiven Folgen für das Individuum, das Unternehmen und die Gesellschaft im Gesamten einer Umsetzung der bisherigen und im Buch dargestellten Erkenntnisse.
Eine Ausgeglichenheit vornehmlich der „Großthemen“ Arbeit und Privatleben, die hier nicht dem rein subjektiven Empfinden überlassen wird („ich bin mit der Firma verheiratet und leide, wenn ich nicht arbeiten darf!“), sondern die in vielfacher Form objektive Kriterien benennt, die dem einzelnen Leser, aber auch der weiterführenden Diskussion sehr hilfreich zur Seite stehen. Und die das bisherige rein bidirektionale Verständnis des Verhältnisses von Arbeit und Privatleben (eines stört das andere, wenn es sich „meldet“ deutlich ausdifferenziert.