Geschichten, die das Leben nicht immer so schreibt.....
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Gesamtwertung
Seine „Süden“ Romane sind mehrfach ausgezeichnet, Bestseller und bieten eine ganz eigene Krimi-Atmosphäre.
Aber nun geht Friedrich Ani, durchaus im Stil sich treu bleibend, inhaltlich und in der Form einmal andere Wege. Vorweg gesagt, durchaus gelungene, „unterhaltsame“ und beim Lesen Freude bereitende Wege. Auf die man sich, gerade in der speziellen Sprache Anis, aber einlassen muss, die sich nicht immer direkt und klar in ihrem Hintersinn erschließen.
Wie in jenem Augenblick kurz vor Weihnachten, in dem der Hausherr kaum zu halten ist, Hand an den Schmuck des Baumes zu legen und innerlich einfach keine Zeit finden will für die Fragen des Kommissars. Obwohl seine Frau wohl vor Kurzem erst einem Verbrechen zum Opfer gefallen ist und sich Kommissar Gstettner redlich bemüht, Licht ins Dunkle zu bringen.
Oder hat der Mann noch ganz andere Gründe? Das könnte auch dem Leser schwanen, als der Mordermittler beginnt, einige Widersprüche in dessen Aussage näher zu hinterfragen. Sich bald aber herausstellt, dass eine ganze Beziehungswelt samt Krankheit und anderer Frau hinter all dem „sich Winden“ verbirgt. Und sich immer mehr Verzettelungen ergeben, von „Serienkillern am heiligen Abend“ schwadroniert wird. Sehr gelungen führt Ani in die Wirrnis der Aussagen, das „Zerbröseln“ der Fassade, ohne dem Leser die Aufgabe der Eigenbewertung abzunehmen, die Ani höchstens im sehr sonderbaren Schmuck des Weihnachtsbaumes des Mannes nachher indirekt mitteilt.
Daneben aber führt Ani auch in poetisch und bildkräftige Liebesgefilde, die keineswegs abgeschmackt oder kitschig nachhallen, sondern Intensität und Emotion bei aller „Absonderlichkeit“ in sich tragen.
„Wenn du wüsstest, wie ich sie geliebt habe. Wie die Götter im Hain. Die Götter des säuselnden Hains“.
„Säuseln, das Wort ist aus der Welt gefallen, wie ich“.
Und Ani bringt es wieder „in die Welt“. Dieses ganz besondere Gefühl und lässt zugleich mit ganz wenigen, eingestreuten Worten nur, ein dahinter liegendes Grauen erahnen. Ani wäre nicht Ani, wenn er nicht auch diese Geschichte an der Wirklichkeit brechen lassen würde, die Schlinge im wahrsten Sinne des Wortes schon vorbereitet hat, Schmerz sich breit machen lässt im weiteren Verlauf.
Geschichten, die immer dialektische daherkommen, die immer „Licht“ in sich tragen, dass am Leben bricht und meist nur Leere zurücklässt. Oder die Rückschau auf ein kurzes Glück, auch wenn es nur ein Eingebildetes war.
„Und auf den Straßen suchen Betrunkene und Frauen die Nacht nach unbenutzten Augenblicken ab, in denen ein Versprechen möglich oder die Illusion vom Überleben stärker sein könnte als die gepflegte Tugend der Gleichgültigkeit und der Zynismus im Angesicht des kurzen Lebens“.
Aber ob seine Protagonisten in den Geschichten auch solche Augenblicke finden? Oder doch schwer und leer ihren Weg gehen, zumindest am Ende desselben so zurückbleiben?
Es sind keine „schrägen“ Charaktere oder Geschichten, die Ani entwirft, aber doch Menschen und Erlebnisse zumindest knapp neben dem Gewohnten, manchmal auch weit neben dem Alltäglichen. In denen „alles vergeblich ist, man aber wenigsten den Mut haben muss, keine Vorwände zu gebrauchen“. In einer Welt, in der ein „Aschenputtel“ keine Rettung und keinen Prinzen mehr zu erwarten hat, höchstens später dann die Neugier der Massen.
„Kein Königssohn kam und ihr Herz hatte nicht mehr die Kraft, zu warten“
Anders. Aufrüttelnd, mit ganz ungewöhnlichen Zugängen zum Leben und den (harten) Geschichten, die das Leben viel öfter schreibt, als die Romanzen und Happy Ends.