STAR TREK: Der Friedensstifter

  • Gesamtwertung
4

Star Trek der Friedensstifter

Captain James T. Kirk hat kaum genügend Zeit die Heirat von Fähnrich Lebrun und dem Ingenieur Nordell zu vollziehen, als ihn Admiral Tyers mit einer wichtigen Mission betraut. Die Besatzung der USS Enterprise soll den neu geschlossenen Friedensvertrag zwischen den benachbarten Planeten Distrel und Prastor im Nevis-System prüfen. Beide Planeten führen bereits seit Jahrtausenden einen verheerenden Krieg gegeneinander, und haben bislang die Bemühungen sämtlicher Großmächte des Quadranten, sie entweder für eine Allianz zu gewinnen oder sie zu erobern, erfolgreich abgewehrt. Jim Kirk kommt gerade rechtzeitig zu den Feierlichkeiten und wird vom Großen General Distrels persönlich eingeladen. Gemeinsam mit einem Außenteam beamt Kirk auf die Oberfläche des Planeten und traut seinen Augen nicht, als er sieht, wer der geheimnisvolle Friedensstifter ist. Es ist kein Geringerer als Harcourt Fenton Mudd, der großspurige Halsabschneider und Gauner, der bereits zweimal die Wege der Enterprise gekreuzt hat und zuletzt von der Crew auf einem Planeten voller Androiden zurückgelassen worden ist, die alle das Aussehen und Temperament seiner Ex-Frau Stella besitzen. Ein Exemplar dieses Androiden hat Mudd auch in das Nevis-System begleitet. Kirk weiß nicht wie es Mudd gelungen ist von dem Androiden-Planeten zu entkommen oder wie er es geschafft hat die beiden verfeindeten Kulturen zu vereinen, aber er weiß, dass Mudd etwas im Schilde führt. Als sich Kirk und seine Mannschaft bei einem Schaukampf auf Leben und Tod zwischen zwei Angehörigen der beiden Planeten einmischen brüskieren sie die Gepflogenheiten der einheimischen Bevölkerung und müssen den Planeten verlassen. Wenig später brechen wieder neue Kämpfe auf den beiden Welten Distrel und Prastor aus. Kirk beamt erneut herunter, doch dieses Mal muss er den Mann retten, der vom Friedensstifter zum Gejagten wurde, denn Harry Mudd soll als Verräter hingerichtet werden.

Nach der großen Feuertaufe-Trilogie, in der die drei Hauptcharaktere Kirk, Spock und McCoy die Hauptrollen gespielt haben, bietet der vierte Band der Classic-Serie ein spannendes Einzelabenteuer aus der ersten Fünf-Jahres-Mission von Kirk und Co. Das Besondere an dem Buch ist natürlich der Auftritt von Harcourt Fenton Mudd, einem der beliebtesten Nebencharaktere der Fernsehserie, gespielt von Roger C. Carmel. Dabei hatte er gerade mal zwei Auftritte („Die Frauen des Mr. Mudd“ und „Der dressierte Herrscher“), sollte ursprünglich aber auch die Figur des Cyrano Jones in „Kennen Sie Tribbles?“ übernehmen. Auch ein späterer Auftritt in der Nachfolgeserie THE NEXT GENERATION wurde wieder verworfen. Selbst in der Zeichentrick-Serie hat Mudd seine Spuren hinterlassen, inwieweit die dort geschilderten Ereignisse jedoch im eigentlichen Kanon berücksichtigt werden, bleibt unklar. Die Ereignisse im vorliegenden Roman knüpfen locker an die zweite Mudd-Episode „Der dressierte Herrscher“ aus der Originalserie an und berichten von seiner Flucht von dem Androiden-Planeten, auf dem die Crew der Enterprise ihn mit 500 Kopien seiner keifenden Ex-Frau Stella zurückgelassen hat. Einer der Stella-Androiden weicht ihm auch dieses Mal nicht von der Seite und sorgt nicht nur für komödiantische Einlagen, sondern erhält im weiteren Handlungsverlauf auch eine wichtige Schlüsselrolle. Der Autor des Romans, Jerry Oltion, gelingt die Charakterisierung der Hauptfiguren und vor allen Dingen von Harry Mudd außerordentlich gut. Die Figuren verhalten sich ihrer Darstellung in der Fernsehserie gemäß, was nicht immer bei allen Romanen der Fall war. Die Planeten Distrel und Prastor aus dem Nevis-System wurden eigens für diesen Roman erfunden und spielen im weiteren Verlauf der Serie wohl keine Rolle mehr, es sei denn der Autor schreibt noch einen weiteren Roman über dieses System. Zentrales Thema der Geschichte ist die Sinnlosigkeit von Kriegen, was anhand der nevisianischen Kultur hervorragend veranschaulicht wird. Der nichtige Anlass ist geradezu satirisch und der Roman funktioniert in erster Linie tatsächlich wegen des feinsinnigen Humors und der offenkundigen Selbstironie so gut. Das beginnt bereits im ersten Kapitel während der Trauung von Lebrun und Nordell, zwei eigens für diesen Roman erfundenen Nebenfiguren, deren Schicksal der Autor ganz allein in der Hand behält.

Die Geschichte entwickelt sich sehr rasant und jede einzelne Hauptfigur bekommt mindestens einen besonderen Moment geschenkt, obwohl der Fokus hauptsächlich natürlich auf Captain Kirk und seinen Widersacher Harry Mudd gerichtet ist. Besonders gelungen ist vor allen Dingen das Finale des Romans und tröstet über kleinere Längen im Mittelteil während der Gefechte auf der Planetenoberfläche hinweg. Auch über kleinere Ungereimtheiten sollte man hinwegsehen können. Um diese zu erläutern muss ich an dieser Stelle aber eine kleine SPOILER-Warnung erteilen.

Im Laufe der Serie sind bereits mehrere Hauptfiguren gestorben und wieder ins Leben zurückgekehrt. Auch in diesem Band wird auf diesen mehr oder weniger sinnvollen dramaturgischen Kniff zurückgegriffen. Dabei trifft es nicht nur einen, sondern gleich vier von der beliebten Stamm-Crew. Offenbar stellt sich nicht einmal Spock die Frage nach der Wahrscheinlichkeit solcher Zufälle. Wie glaubhaft ist es schon, dass die Brückenoffiziere, einschließlich Dr. McCoy und Scotty, unzählige Male den gefährlichsten Situationen trotzen und nur dann den kürzeren ziehen, wenn sie kurz darauf durch wundersame Umstände doch wieder zum Leben erweckt werden?

Eine kleine Anmerkung noch zur Übersetzung der Romane. In den Büchern des Heyne Verlags wurde die englische Bezeichnung Starfleet statt Sternenflotte beibehalten. So wie auch Starfleet Command statt Sternenflotten-Kommando. Für die Übersetzung der neuen Romane, die bei Cross Cult erscheinen, wurde sich geeinigt die deutsche Bezeichnung zu verwenden, so auch im vorliegenden Roman. Aus mir unverständlichen Gründen, gilt dies jedoch nicht für die Ränge der Sternenflottenoffiziere. Statt Fähnrich liest man ständig Ensign, was insbesondere in der Mehrzahl gewöhnungsbedürftig klingt.

Beim wirklich schön anzusehenden Covermotiv, gestaltet von Martin Frei, gab es zwischen der Ankündigung des Romans und der tatsächlich gedruckten Version einen eklatanten Unterschied. Ursprünglich sollte das Antlitz von Harry Mudd ebenfalls auf das Titelbild. Vermutlich hätte es das Cover aber überfrachtet oder es gab Probleme mit dem Copyright, jedenfalls wurde Harry Mudd wieder entfernt und Kirk dafür ein wenig vergrößert dargestellt. Schade eigentlich, mir hat die ursprüngliche Version noch eine Spur besser gefallen.

Fazit: Science-Fiction-Parabel über die Sinnlosigkeit von Kriegen, humorvoll verpackt und flott geschrieben. Ein sehr guter STAR TREK-Roman der Classic-Serie, der während der ersten Fünf-Jahres-Mission spielt. Ein Muss für alle Trekkies.

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