Eine interessante Betrachtung
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Gesamtwertung
Zusammenfassung
Alles in allem ein interessant zu lesendes Buch, das so manches „Gefühlte“ der Vorteile des Stadtlebens mit Fakten hinterlegt und griffig formuliert. Ohne gleich jeder der „Begeisterungen“ der Autorinnen folgen zu müssen. Bei aller inneren Sehnsucht manchmal nach Formen „einfacheren und ruhigeren Lebens“, die eher einer romantischen Vorstellung denn der Lebensrealität „auf dem Land“ entsprechen.
Eine Ode an das Stadtleben, das wäre etwas zuviel gesagt über den Duktus dieses Buches der beiden Berliner Autorinnen. Durchaus aber ein (nicht immer differenziertes und reflektiertes) Gegengewicht zu der leicht romantisierten Sicht auf das Landleben, die seit einiger Zeit sehr in Mode ist, das sehr wohl setzten sich die Autorinnen zum Ziel.
Da, wo sich die „Landlust“ der Millionenauflage nähert, immer öfter die Rede von der „Sehnsucht nach dem Landleben“ ist, muss auch konstatiert werden, dass dies in dieser Form ja gar nicht geschieht. In die Städte drängt es nachweisbar das eine Vielzahl von Menschen und das weltweit. Immobilienwerte auf dem Land sind in Deutschland im freien Fall begriffen, während in den Städten jeder Quadratmeter teuer erkauft sein will. Das ist Fakt und, bei aller Lust an Katalogen und Magazinen über das Landleben, muss das ja Gründe haben, warum gegen eine scheinbar millionenfache Sehnsucht nach dem Land die Füße der Menschen ganz anders abstimmen.
Warum das so ist, warum die Stadt (seit jeher, eigentlich) der Ort der kulturellen Vielfalt, der kulturellen Entwicklung war und ist, warum in der Stadt sogar der „grüne Fingerabdruck“ der Menschen höher ausfällt als auf dem Land (weniger Heizkosten, weniger Fahrtkosten, weniger Autos) und sich dort eben tatsächlich das „Leben ballt“, die äußeren und inneren Gründe für diese Entwicklung zeigen die Autorinnen zwar einseitig, aber dennoch gut und nachvollziehbar, gewürzt mit einer Prise Humor, wunderbar auf.
„In der Stadt findest Du Unterhaltung, auf dem Land bist Du die Unterhaltung“. Schon dies redet einer möglichen äußeren und inneren Freiheit das Wort. Wo man auf dem Land auch mangels anderer „Unterhaltungen“ als Hauptthema eben den und die anderen hat, da ist in der Stadt die Freiheit individueller Lebenswege (ohne gleich durch den Kakao des Dorfes oder der Kleinstadt gezogen zu werden) wesentlich höher.
Wie auch die Möglichkeit, sich über Wasser zu halten, was Jobs angeht. Sich zu versorgen, was Infrastruktur angeht. Wie eine Vielfalt der Wohnmöglichkeiten (theoretisch) zu besitzen, statt genormter Eigenheime, die dann dauerhaft bewohnt werden und statt zwei, eher drei KFZ betreiben zu müssen auch ganz andere Lebens- und Mobilitätsformen zu entfalten.
Sicher, die Nachteile des städtischen Lebens, die mögliche Einsamkeit inmitten eines vielfachen Treibens, das nicht einfach zu erwerbende und ständig teils auch mühsam zu erhaltende soziale Netz, eine fehlende soziale Kontrolle, die auch negativ sich auswirken kann mitsamt höherer Kriminalitätsraten, dies alles kommt als „Schattenseiten“ zu kurz im Buch.
Dennoch treffen die Autorinnen oft und oft den Punkt und fassen in einprägsame Worte, was immer schon sichtbarer Fakt war. Entwicklungen, Toleranzen, Liberalität, ein „sich über Wasser halten können“, auch technischer Fortschritt, all das verbindet sich in der gesamten Geschichte der Menschheit weitestgehend mit den großen Städten und Metropolen, die weltweit hohe Anziehungskraft besitzen. Von der „Unterhaltung“ bis zur „Innovation“ und der Entfaltung persönlicher Lebenswege und Freiheiten kann man Barbara Schaefer und Katja Trippel durchaus in ihren Gedanken im Buch folgen. Auch wenn hier und da die „Begeisterung“ zu sehr im Vordergrund steht und nicht immer alles ins Letzte differenziert betrachtet wird.