Mutprobe

Offen und ohne Scheu
  • Insgesamt

Kurzfassung

Ein interessantes, sehr gut zu lesendes Buch, dass nicht nur für die engere Zielgruppe der älteren Frauen als Lektüre sehr zu empfehlen ist. Ein Buch, dass in der Lage wäre, etwas zu bewegen. Lässt sich hoffen.

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Bascha Mika weiß aus eigener Erfahrung her genau, worüber sie schreibt (vor Kurzem feierte Sie ihren 60. Geburtstag) und versteht es sprachlich, die Wichtigkeiten, um die es ihr geht, sprachlich prägnant und flüssig auf den Punkt zu bringen.

„Männer haben einen erheblichen Vorteil: Wir kriegen Falten, werden fett und glatzköpfig oder weißhaarig und keinen kümmert´s“. So sagt es George Clooney und bringt damit indirekt die Dinge klar zur Sprache. All das, was Frauen mit dem Älterwerden passiert, die kümmern eben.

„Eine Frau kann mit 19 entzückend, mit 29 hinreißend sein. Aber erst mit 39 ist sie absolut unwiderstehlich. Und älter als 39 wird keine Frau, die einmal unwiderstehlich war“ (Coco Chanel).

Wobei Bascha Mika nicht Bascha Mika wäre, wenn sie nun in das allgemeine Horn des hilflosen Bedauerns mit einstoßen würde. Nein, so wie seit Jahrtausenden kolportiert und Usus sieht sie es, im Übrigen durchaus nachvollziehbar begründet, nicht. „Männer werden Älter, Frauen werden alt gemacht“, formuliert Mika das Dilemma.

Nicht das „Biologische“ ist das Problem (der Frauen), sondern die kulturelle Bewertung. Eine „perfide, soziale Geringschätzung“, die das Leben der alternden Frau zur „Hölle“ macht.

Da ist der Blick, den Mika pointiert und doch auch differenziert (Frauen als „Opfer“ lässt sie nicht gelten) auf den „falschen Schein“ richtet.

Gerade in den öffentlichen Medien, vor allem in Film und Fernsehen. Aus dem Blick einer Schauspierelin all die kleinen Tricks, die wichtiger werdende Beleuchtung und Maske bis hin zum Ausbleiben von Rollen. Wegen „Verjüngung“, natürlich. Und zugleich bietet Mika, nicht nur in diesem Themenfeld, ein Zeugnis über die innere Entwicklung, mutig eigene Entschlüsse zu treffen.

„Keine will sich beim Älterwerden zuschauen lassen. Und die Sender wollen es auch nicht“.

Warum eigentlich nicht? Und gut ist es, das zunehmend Frauen auch „im Alter“ in Filmen zeigen (leider nicht als Regel), was die Werte, das Glück, die Kompetenzen der Erfahrung alles vermögen.

Viel mehr, legt Mika nahe, sollten Frauen sich aufregen, laut werden, wenn sie wegen des Alters „abgeschoben“ werden. Besonders aufgrund der Macht und der Einflussnahme der Massenmedien auf das Bild (und die prägenden Gesichter) der Gesellschaft.

So bleibt vor allem eines, das Mika im Buch nicht müde wird, zu betonen: Nicht einfach weichen. Nicht freiwillig vorauserfüllend „den Hut“ nehmen, sondern weiter und klarer einfordern und Gestalten, was einem wert und wichtig ist.

„Das Äußere dominiert vor dem Können“, dass ist eine Quintessenz der Lage, die Mika quer durch die Themen zieht und nicht auf sich beruhen lässt.

Mut macht sie, Impulse gibt sie, klare Wege weist sie auf, sich das nicht gefallen zu lassen. Unaufgeregt, mutig und um den eigenen Wert wissend, sich diesen nicht einfach „zuschreiben“ zu lassen.

„Gehen wir doch mal davon aus, dass Frauen ungeachtet ihres Alters im öffentlichen Raum ihren Platz hätten. Wäre das nicht ein anderes weibliches Sein in der Welt? Und ein gesellschaftliches Surplus?“.

Wäre es.

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