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Gefährliche Suche in braunem Sumpf
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„Er fuhr ….. zum Waldfriedhof, redete mit seinem Freund Martin und anschließend mit seinem Vater, dem er vom aktuellen Fall erzählte“.

Freund und Vater, die sich allerdings nicht „auf“ dem Friedhof mit Tabor Süden zum Gespräch treffen, sondern die je in ihren Gräbern dort ruhen. Wobei Tabor Süden nicht einfach eine „Störung“ in sich trägt, sondern gerade diese Szenen auf dem Friedhof (die regelmäßig zu Tabor Südens Leben gehören) in sehr direkter Form die melancholische Grundstimmung der Romane um den privaten Detektiv Tabor Süden herum kennzeichnen.

Wobei Tabor selbst beleibe nicht der einzige Mitarbeiter (oder anderweitig an diesem Fall Beteiligter) ist, der diese Stimmung ausstrahlt. Eine feine, immer zu spürende, nie aber flach dargestellte „Dunkelheit im Leben“ ist Teil so mancher tragender Personen im Buch.

Leonhard Kreutzer, älterer Kollege Tabors, geht auf den fünften Todestag seiner Frau zu, „aber für Kreutzer würde es bis zum Ende der Zeit nur einen ersten geben“. Oder Patrizia, noch in einer Bar arbeitend und sehr interessiert daran, ganz und gar in die Detektei zu wechseln. Aber doch sehr in stiller Sorge, dass all die Solitäre dort plötzlich innerlich nicht mehr erreichbar für sie wären, sich ganz in ihrer eigenen Welt abschließen könnten.

Viele solcher Fäden führt Ani immer wieder auf der emotionalen Ebene in seine Gestaltung ein. Sprachlich versiert und mit sensibler Bildsprache führt er den Leser in dieser Weise emotional hinein in eine Welt, in der Verluste drückend die Realität mit begleiten. Was keinen der Beteiligten davon abhält, vollen Einsatz für den anstehenden Fall zu bringen.

Ein Mann wird vermisst, ein scheinbar einfacher Taxifahrer. Dessen Freundin beauftragt die Detektei und Tabor Süden macht sich an die Nachforschungen. Nur um sehr schnell zu bemerken, dass so gut wie alle Geschichten, die er überprüft, schon ersten Blicken nicht standhalten. Der Mann hatte noch eine andere Vergangenheit außer Fahrer zu sein. Die Freundin ist gar nicht so eng mit dem Verschwundenen verbunden gewesen, wie sich ebenfalls bei ersten Nachfragen erweist. Auffällige Männer sind in der Umgebung der Wohnung des verschwundenen Siegfried Denner anzutreffen, die Söder sehr an ehemalige Kollegen des BKA in Gestus und Habitus erinnern.

Und Kreutzer benötigt, unfreiwillig, auch nur erste Schritte an Ermittlungen, um sehr schnell sich eine Kopfwunde einzufangen. Im Dunstkreis von kompakt gebauten Männern, die gerne „die Partei“ erwähnen und alte „Parteigenossen“ zu schätzen wissen.

Was alles nur die Spitze des Eisberges ist, den Süden in seiner konsequenten, nie lockerlassenden Art (und in so manchen Zwiegesprächen mit seinen treuren Verstorbenen), Schritt für Schritt aus dem Wasser heben wird. Und dabei zwischen die Fronten und in hohe Gefahr geraten wird. Er und die Seinen. Dennoch lässt er nicht locker und ahnt, das die Auftraggeberin Mia Bischof der Schlüssel zum Verstehen sein wird.

Auf sprachlich hohem Niveau, mit ausgefeilten, sehr differenzierten Figuren und einem überzeugend konzipiertem Fall legt Friedrich Ani zum wiederholten Male auch mit diesem Roman eine sehr empfehlenswerte Kriminallektüre vor. In dem die zunächst scheinbar zusammenhanglos erzählte zweite Geschichte einer Kindesentführung sich zum Ende hin in das gesamte Bild bestens mit einfügt.

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