Über die enge Verbindung von Mensch und Hund
-
Insgesamt
Man muss schon ein wenig Geduld haben und auch „dahinter“ schauen, um die allgemein wichtigen Aussagen dieses Buches für sich reflektieren zu können hinter all diesen Geschichten und „Liebeserklärungen“ an „Luna“, den Hund.
„Nicht-Hundebesitzer“ werden nämlich zunächst in Sprache und Stil genau jene „Überhöhung“ des Hundes vermeinen, herauslesen zu können, die ihnen wahrscheinlich schon im Alltag bei anderen Hundebesitzern gehörig auf die Nerven geht.
Wenn „der Hund“ fast das Zentrum des Lebens mancher Leute ist, wie auch hier als „Seelengefährtin“ bezeichnet, in Verbindung gebracht mit dem „Sinn des Seins“.
Und schnell mag man da (auch nicht zu Unrecht) die psychologische Erklärung zur Hand haben, dass „Luna“ (die Hündin) einfach Halt und Lebensinhalt für Michaela Seul geworden ist, als deren Mann starb.
Eine „Vermenschlichung“ des Hundes, die vielen an sich bereits zu weit gehen wird, der man entgegen halten kann, dass sie die eigenen Probleme nicht angeht und löst, sondern auf ein Geschöpf ablädt, dass sich kaum wehren kann.
„Hundebesitzer“ demgegenüber können im Verständnis des von Seul auch Ausgedrückten zu kurz greifen, weil sie, vielleicht in ähnlicher Haltung ihrem Hund gegenüber, zu eilfertig mit dem Kopf nicken, die „Geschichten aus dem Welpenleben“ einfach nur „wunderbar und süß“ finden, das „tiefe Verstehen des Hundes“ auch aus dem eigenen Leben her kennen und begrüßen.
Und jenen Satz: „Es ist egal, ob mein Hund mich liebt. Ich jedenfalls liebe ihn“ auch gegen alle Informationen von erfahrenen Hundetrainern unterstreichen und durchhalten.
All diese vielen Geschichten im Buch, aus der die tiefe Verbundenheit der Autorin mit ihrer Hündin in unverstellter Freude, in Sorge, aber auch in Angst um ernsthafte Verletzungen und mögliche Krankheiten des Hundes zum Ausdruck kommt, muss jeder Leser für sich selbst bewerten und wird auch jeder anderes zu stehen.
Dass aber „Verbundenheit“ eines der zentralen Elemente menschlichen Seins ist, dass eine echte Beziehung auch zum vertrauten Tier „heilsam“ wirken kann und so manches an Schmerz und Unbill des Lebens auffängt, das kommt in diesem Buch durchaus mit Gewicht zum Tragen. Auch gegen so manche „Meinung“ von Außenstehenden über das „Frauli“ Michaela Seul.
Ohne übrigens dass es immer gleich im „Pelzmäntelchen“ für den Hund oder anderen materiellen „Überhöhungen“ eines Haustieres kommen muss.
So können „Hunde-Distanzierte“ einen Einblick gewinnen in die Nähe, die ein vertrauter Hund stabilisierend auch in das Leben bringen kann und überkandidelte „Hunde-Begeisterte“ könnten (so das noch möglich ist) auch herauslesen, dass es natürlich noch ein „Leben außerhalb des Hundes“ gibt und ein Hund ein Hund ist. Kein Ding und kein absoluter Ersatz für eine Gemeinschaft mit anderen Menschen auf Augenhöhe.
Dennoch verbleibt nach der Lektüre natürlich auch der Eindruck von einer sehr hohen Nähe zum Tier, den nicht jeder Leser in gleicher Weise teilen oder so leben möchte.
Sprachlich und im Stil legt Michaela Seul mit Humor und Ernst ihre Verbindung zwischen „Mein Hund, das Leben und der Sinn des Lebens“ klar verständlich dar, wobei dann der Leser seine eigene Haltung und seine eigenen Vorlieben daran sicherlich ebenso formulieren kann. Zwischen „schwer begeistert“ und „sehr genervt“ ist da alles möglich. Was am Thema, nicht an der Darstellung dann liegen wird.