Faszinierende Eindrücke der Vielfalt Kubas
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Gesamtwertung
Das es in Kuba nicht nur einen „Muttertag“ und einen „Vatertag“ gibt, sondern auch einen „Tag des Kindes“ und dass Kinder gerade im Westen Kubas relativ unbehelligt von Propaganda und großformatigen Parteiplakaten aufwachsen können, nicht nur davon kündet dieser umfassende, in Text und Bild ganz hervorragend umgesetzte Bildband aus dem Hause National Geographic.
Wettrennen mit Flip-Flops und im Hintergrund ein antiquiert wirkendes Motorrad. Lebensfreude und Erfindungsreichtum, den Alltag bewältigen und dennoch mit Rhythmus und Träumen versehen, all dies fangen die vielfachen Fotografien von Tobais Hauser ganz selbstverständlich und natürlich ein, korrespondiert von vielen grundsätzlichen textlichen Informationen und präzisen Erläuterungen durch Robert Fischer.
Ein Bildband, der in seltener Weise bereits in seinem Titelbild die treffende Atmosphäre des gesamten Bandes in sich fasst. Verschmitzt, Hager, Zigarre, kecker Hut und das auf dem Hintergrund des Wissens von Armut, schwieriger Versorgungslage und täglicher Mühe, das Leben zu bewältigen.
„Zwischen Traum und Wirklichkeit“, besser als der Untertitel kann man kaum ausdrücken, was dieses Land in seiner ganz speziellen Situation ausmacht.
Scharfkantige Dunkelheit aufgrund mangelhafter Beleuchtung, im Lichtstrahl zwei amerikanische Oldtimer und skatende Kinder bei Nacht, scharf ist der Schnitt zwischen Lebensgefühl, der Kraft, die Dinge immer wieder anzugehen und der Realität, die wenig Möglichkeiten auf den ersten Blick zulässt und bietet. Eine Polarität des Lebens, die in den Bildern von vielen Seiten her fassbar im Raum steht.
Zigarrenrollen unter dem überlebensgroßen Poster von Che, innen wunderbar und prächtig erhaltene Häuser der Kolonialzeit, von altem Glanz des Lebens der „oberen 10.000“ noch kündend.
Eine Unterschiedlichkeit und Vielfalt, die Fischer in seiner geschichtlichen Exkursion in den Hintergründen erläutert, eine Vielfalt, die sich auch in den verschiedenen Regionen Kubas mit ihrem unterschiedlichen Lebensgefühl niederschlägt. So ist es folgerichtig, dass die Autoren ihre „Spurensuche“ geographisch strukturieren.
„Salsa, Sonne und Strand“ im Gegensatz zur „Großstadt“ Havanna. Strände wie aus dem Paradies, Musiker und Salseros in praller Lust am Rhythmus. Eine Natur in seltener Unberührtheit und farbenprächtige Häuser und Straßenzüge wechseln ab mit fast Ghettos und fühlbarer Armut.
Was ist das „Kubanische“, fragt der Regisseur Fernando Perez im Vorwort. Die Vielfalt im Gegensatz, wie er gleich darauf an sich selber feststellt.
„Ich fühle mich zu hundert Prozent kubanisch, obwohl ich weder Tanzen kann noch Rhythmusgefühl habe; ich bin introvertiert und trinke lieber schottischen Whiskey als Rum“.
Kuba, das ist eine Haltung, ein inneres Gefühl, welches sich in vielfältigen Formen in vielfach unglaublich landschaftlicher Schönheit seine differenzierten Wege sucht. Eine Vielfalt, die in diesem Buch bestens in Szene gesetzt und bestens beschrieben wird.