Komik (in) der Migrationsgesellschaft

Massenmedial und Subkultur
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Comedians mit Migrationshintergrund, die gerade diesen auch vielfach in und für ihre Programme nutzen, sind aktuell „in der Mitte der Bühnen“ durchaus angekommen. Ob Als Comedian oder komödiantische Fernsehserie.

Kaya Yanar und Django Asül sind hier nur als hoch populäre Vorreiter zu nennen, vielfach ist die Szene der „Migrationskomik“, die in diesem Buch erstmalig wissenschaftlich untersucht und dargestellt wird. In einer Zeit, in der so gut wie alle Fernsehsender Produktion mit und/oder von Künstlern mit Migrationshintergrund zentral in ihrem Programm platzieren.

Ausgehen davon, dass „der komische Diskurs“ eine „wichtige Arena der gesellschaftlichen Verhandlung von Migration“ ist, legen die Autoren im Buch in vier Hauptteilen hintergründe, Genese und Wirkung dieser speziellen Form der Komik dar.

Wobei, natürlich, das Augenmerk nicht ausschließlich auf populären Sendungen liegt. Wie „Migrationskomik“ in Form von diskriminierenden Witzen auch Teil von durchaus ernsten Positionskämpfen ist (und immer schon war), das ist im Buch ebenso interessant nachzulesen wie der kleine Exkurs über die Legitimität von „Ethno-Spaß“ und wo eben „der Spaß“ aufhört.

Eine Verortung der Komik in der Migratiosngesellschaft eröffnet das Buch, gefolgt von einer Betrachtung der sprachlichen und sozialen Verhältnisse in der transkulturellen Alltags- und Medienkomik. Demgegenüber geht der dritte Teil des Buches konkret in eine „Nische“ und vollzieht am Beispiel der Kosovo-albanischen Sketchproduktionen die Veränderungen nach, denen die ursprüngliche Komik im transkulturellen Prozess unterworfen wird („Kalt seinen sie geworden. Kalt wie die Deutschen“). Jenen transkulturellen Prozess, in dessen Verlauf die Frage durchaus folgerichtig und wichtig ist, ob die Angehörigen der konkreten Migrationskomik in der Migration „zu Deutschen geworden“ sind.

Abgeschlossen wird die Darstellung durch ein Gespräch mit Semih Yavsnar, in dem zum einen humoristische Strategien in der Migration konkret dargestellt werden und zum anderen die Funktion der Migrationskomik zur „Verkleinerung von Identitätskonflikten“ zu Worte kommt.

So legen die Autoren gründlich und breit dar, wie der Witz als eine Reproduktion der Welt, in der wir leben „im Kleinen“ verstanden werden kann und, hinter der Komik, durchaus wichtige Inhalte eines transkulturellen Prozesses transportiert werden, die gerade durch die Komik der Darstellung als Botschaft gehört werden können und auf wenig Abwehr zunächst treffen. Die „soziale Bildungskraft des Komischen“ hat im großen Feld der Migrationskomik eine hohe Kraft für die Genese einer transkulturellen Gesellschaft. Vor allem da, wo in den Pogrammen eine aktive Gestaltung und Formulierung der konkreten Lebenswelt stattfindet.

Ein zwar nicht immer einfach zu lesendes, aber sehr erhellendes Buch über die „ernsthafte“ Tragweite von „Migrationskomik“ im konstruktiven Miteinander , aber auch mit Seitenblicken auf immer noch genutzte diskriminierende Formen.

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