Leben in Zeichen politischen Wandels
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Insgesamt
Chile im Jahr 1990. Das Regime unter Pinochets sitzt noch fest im Sattel.
Seit Jahren schlägt sich der bekannte Werbefachmann Adrián Bettini als Gegner des Regimes schlecht und recht mit kleinen Aufträgen durch. Unverhofft bekommt er den Auftrag, die Werbung für ein Plebiszit zur Abwahl des Regimes zu gestalten. Das ist ungewöhnlich, denn Pinochet duldet keine Abweichler. Doch aufgrund eines in der Verfassung von 1980 festgelegten Volksentscheides musste dieser abgehalten werden. Pinochet wurde damit in Jahr 1990 aus dem Amt gewählt. Die kurze Zeit bis zu seiner Abwahl bildet den Fokus des Romans von Antonio Skármeta.
Mit einer von Adrián erdachten “Regenbogenkampagne” und einem Strauss Walzer ist in diesem Roman die Abwahl Pinochets am Ende zustande gekommen.
Nico Santos besucht das Gymnasium, an dem sein Vater Philosophielehrer ist. Eines Morgens wird dieser in der Klasse verhaftet. Man weiß ja, wie das Regime mit unliebsamen Gegnern umging: Folter und Mord waren an der Tagesordnung. Nico ist verzagt und in Sorge um den Vater.
Zugleich hat er sich in seine Mitschülerin Patricia verliebt. Deren Vater ist der bekannte Werbefachmann Adrián Bettini!
Patricia ist eine freiheitsliebende Kämpferseele, die nach dem Abitur das Land verlassen will. Sie ist entsetzt, weil sie sich an der Stimmabgabe gar nicht beteiligen will. Doch willigt sie schließlich ein, mit “Nein” gegen das Regime zu stimmen.
Schon bei den ersten Worten der Erzählung spürt man die Angst und den Druck, mit dem die Menschen in Chile unter Pinochet leben mussten. Antonio Skármeta beherrscht eine knappe Sprache mit kurzen Sätzen, die einem den Zugang zu seiner Geschichte erleichtern. Die stumme Eintracht, mit der sich die Verfolgten verbinden, erzeugt Spannung und Faszination.
Die Rahmenhandlung zur Erzählung bildet die Liebe zwischen Nico und Patricia. Sie sind zum Ende der Erzählung ein Liebespaar, womit die Geschichte zugleich mit der Veränderung zur Demokratie im Lande ihre Krönung erfährt.
Insgesamt bietet der Roman das eindrückliche Bild eines Lebens in einer barbarischen Diktatur. Man erinnere sich, wie zahlreich die Opfer waren und wie grausam mit den Feinden des Regimes umgegangen wurde!
Antonio Skármetas Buch ist unter dem Titel “NO“ verfilmt worden und nominiert für einen Oskar als “Bester ausländischer Film” 2013.