Die dunklen Seiten des Lebens
-
Gesamtwertung
Zusammenfassung
Sprachlich und von der Atmosphäre her ein fesselndes Buch.
Trist ist seine Rückkehr aus Buenos Aires. Hector Salgado, Kommissar mit dienstlichen Problemen, getrennt von seiner Frau (in einer Weise, die ihm wenig Hoffnung auf eine Rückkehr seiner Frau macht) spürt nicht nur den Jetlag früh am Morgen.
Ausgerastet war er. Und das mit Recht, wie der Leser feststellen wird. Gegen einen dubiosen Arzt, der afrikanischen Mädchen die abergläubische Angst auf vielfache Weise einbläute. Damit diese willig bleiben für die schmutzigen Geschäfte. Ein Arzt, der nun einfach verschwunden ist. Spuren eine Gewaltverbrechens, die auf Salgado verweisen werden. Wovon weder er noch seine Kollegen zur Zeit etwas Ahnen.
Ein Fall, der Salgado verfolgt, eine Situation, die ihn niederdrückt, neben der massiven Hitze in Barcelona, neben der Zurückhaltung seines Vorgesetzten, neben der Haltung seiner Frau.
Zunächst aber wird Salgado angesetzt auf ein einen einfach scheinenden Unfall. Ein Sohn aus gutem Haus ist aus seinem Fenster gestürzt und zu Tode gekommen. Alkoholisiert, wie es scheint. Dessen Mutter aber, die schon bei der Geburt ihres Sohnes diesen und ihren Mann verlassen hat, gibt keine Ruhe. Und Salgado wird fündig. Kleine Anzeichen wie ein harmloser Aschenbecher deuten darauf hin, dass auch in diesem Todesfall zu ermitteln sein wird. Beim Freund des Toten, bei einer Freundin des Toten, die sich sehr viel mehr erhofft hätte als eben nur eine Freundschaft.
Und wer überhaupt ist “Immeriris“, dubiose Emails, die sich auf dem Laptop des toten jungen Mannes finden?
Mehr und mehr erkennt Salgado, dass er in lang zurückliegende Verwicklungen sich begeben wird, dass dieser Tod eine lange Vorgeschichte in sich trägt. Ebenso, wie er, nur ganz allmählich, spüren wird, dass er selbst durch ein Spinnenetz aus altem Voodoo und neuer Kriminalität, skrupellosen Machenschaften, eingesponnen werden wird. Mit einem wie lapidar erzählten dramatischen Ereignis ganz zum Ende der Geschichte hin, die zerstörerische Kraft in sich tragen wird.
Ruhig und abgeklärt, fundiert und mit vielen kleinen Erzählfäden nach allen Seiten hin erzählt Hill diese melancholische, dunkle Geschichte, in der wenig ist, wie es zu Anfang scheint und fast alle Personen Geheimnisse, hintergründige Motive in sich tragen.
Personen, die Hill plastisch abzubilden versteht, allen voran natürlich seinen Hector Salgado, der mit spürbarer Melancholie und innerer Orientierungslosigkeit dennoch hartnäckig seinen Weg geht und seinen Fall bearbeitet. Den der Leser aber durchaus kurz vor der Sperrstunde des Öfteren einsam am Tresen antreffen wird und dessen Unheil man fast spürbar und greifbar unaufhaltsam kommen sieht.
Ein Kriminalroman, der nicht von Action oder nackter Gewalt lebt, sondern von den Tiefen der Beteiligten, den verschachtelten Hintergründen der Ereignisse und der Unerbittlichkeit von Feinden, die im Verborgenen rücksichtslos ihr Netz spinnen und dort zuschlagen und treffen werden, wo größtmögliche Hilflosigkeit im Raume verbleiben wird.