Menschengeschichten
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Insgesamt
Auch wenn Dieter Forte in diesem, sprachlich auf hohem Niveau angesiedelten, Buch grundsätzlich einen zeitübergreifenden Blick vor allem auf „seine“ Stadt Basel wirft, der Titel des Buches täuscht nicht.
Es ist schon die Welt, die Menschen zu allen Zeiten, denen sich Forte umschreibend, assoziierend, in kleinen und größeren Begebenheiten und Worten nähert.
Jene Menschen, die von Beginn an, zunächst mit einfachen Symbolen und Zeichnungen, bald darauf aber bereits mit wachsenden Worten, das „Bild ihrer Welt erschufen“ und mit diesem Bild, mit diesen vielen, vielen „Gemälden aus Worten“ der Jahrhunderte sich selbst eine Orientierung in dieser Welt schaffte.
„Denn alle Bilder und Worte versuchen nur, die innerste Erinnerung wiederzufinden, die für immer im Menschen sein wird. Das Paradies“.
Sehnsucht ist das, was den Menschen treibt und Sehnsucht ist damit auch das, um was Forte in seinen Geschichten und Reflektionen kreist. Notwendige Reflektionen, denn im Lauf der Zeit entstand ein wahres Labyrinth aus Worten „und die Bilder wurden undeutbar in ihren wechselnden Formen“. Orientierung also tut Not, um jene innere Orientierung (wieder) zu finden.
So, wie es „der erste Architekt“ in klaren Strukturen schöpferisch anging, Aber auch in den „weichen“ Orientierungen wie die der „Schönheit“, die einmal das „Lieblingswort der gebildeten und wohlhabenden Bürger der Stadt war“. Und bei der es schwer ist, eine gemeinsame Orientierung zu finden, wie Forte an einer Anekdote um die neue Kuppel der alten Kathedrale vor Augen führt.
Mehr und mehr im Verlauf der Lektüre wird deutlich, dass aus den „engen“ Anfängen der ersten, tastenden Versuche, mit Worten die Welt zu fassen bis in die Gegenwart hinein eine (fast) „unbegrenzte Weite“ der Möglichkeiten, der Wege, der Geschmäcker, der Betrachtungswinkel heraus geworden ist. Wie es dem „aufrecht stehenden“ Menschen aus Sicht Fortes heraus auch angemessen ist. Die Wahl der Freiheit ist ein hohes Gut.
Sorgsam, langsam, mit Umwegen, Nebenlinien geht Forte „der Welt“ nach. So, wie er konstatiert, das „Der Schöpfer“ am siebten Tage eben nicht sah, dass es gut war, sondern „das es nicht gut war“, denn ihm war die Erde „abhanden gekommen“, die nun in sich selbst und von sich selbst aus auf Entdeckungsreise ging in Geschäft, Kunst, Malerei, Dichtung, Schönheit. Aber hatte man da denn nun die Welt entdeckt oder sich doch nur in ein weiteres Labyrinth begeben?
Forte legt ein durchaus langsam zu lesendes Buch vor, in dem er mit seiner fast poetischen, beschreibenden, assoziativen Sprache den Leser immer wieder in neue Erkenntnisse, neue Windungen und Wege hineinführt und dies in der Form von der einfachen Erzählung bis zur Allegorie, mit stets doch (und auf Dauer nicht immer einfach zu lesender) bedeutungsschwangeren Worten.
So deutet Forte (und stellt dar) die Welt als ein Konglomerat einer Vielzahl von Geschichten, Worten, von Suche und Sehnsucht, die aufgenommen, erfasst, durchdacht und, durchaus auch, dann umgesetzt und erprobt werden wollen, wie es Professor B. (Resignatus genannt) in einer der Geschichten im Buch auch auf sich nimmt.
Ein Buch, dass sich einer klaren formalen Zuordnung entzieht und in poetischer Sprache zur Weltfindung anreizen möchte. Mit vielen, vielen Gedanken und Hinweisen, die es wert sind, gelesen zu werden. Auch wenn die Lektüre durchaus Aufmerksamkeit und Mühe erfordert.