Antifragilität: Anleitung für eine Welt, die wir nicht verstehen

„Bestand hat nur das Antifragile“
  • Insgesamt

Zusammenfassung

Ein faszinierendes Buch gegen die „Unfähigkeit, Unbeständiges zu ertragen“ und für die „einfache“ Haltung, am Risiko zu wachsen, statt ausweichen zu wollen. Eine Lebensweg, den Taleb „altertümlich-mediterran“ nennt und für den er mit seinen eigenen Handlungen geradesteht. Einfach Faszinierend.

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Anti-Fragilität

„Für Zufälligkeiten, Ungewissheit und Chaos gilt dasselbe: Ich will von ihnen profitieren und mich nicht vor ihnen verstecken“.

Nicht ausweichen, nicht dem Irrglauben verfallen, das Leben ließe sich kontrollieren, nicht zurückweichen vor den Unwägbarkeiten des Lebens, sondern diese geradezu an ihrem Ort „aufsuchen“, das sind Kerngedanken Talebs, die er in diesem umfassenden philosophischen Werk quer durch alle Lebensbereiche nach verfolgt und anhand unzähliger, oft und oft präzise treffender Beispiele aus Politik, Wirtschaft, Alltag sehr konkret in Worte zu fassen vermag.

„Der häufig Fragile (recht habende) gewinnt Pennys und verliert Dollars, der Antfragile (nur einmal recht habende) verliert Pennys und gewinnt Dollars“.

Die „Ungewissheit“ nicht nur „irgendwie bestehen“, „knapp überleben“, sondern „unbeschadet überleben und darüber hinaus noch das letzte Wort haben“, darum geht es Taleb. Und dafür ist es notwendig, „antfragil“ zu sein. Eine Wortschöpfung Talebs, mit der er jene Kraft, jenen Zustand (im Menschen) meint, der „mehr als robust“, am Unwägbaren, an Schocks, an plötzlichen und nicht planbaren Wendungen des Lebens wächst.

„Mut zum Leben“ gerade in seinen unwägbaren Formen, so könnte man das Pogramm Talebs bezeichnen, wobei er grundlegend postuliert, dass gerade da, wo es „unwägbar“ ist, das Leben immer auch „über den Ist-Zustand“ hinaus weist und damit Wachstum und Entwicklung generiert. Das Unwägbare, wenn es antifragil angegangen wird, führt zu automatischen Handlungen, zu einem Bewältigen und darin sieht Taleb die eigentliche Stärke des Menschen, nicht im Sinnieren und Nachdenken. In seinen Augen kann der Mensch mit „eintretenden, potentiell risikoreichen“ Situationen besser umgehen, als mit der „Voraussage des Ereignisses“. Also gilt es, die gegenwärtig übliche Vorgehensweise im Bereich des Risikomanagements schlichtweg auf den Kopf zu stellen. Alles, was von zufälligen Erschütterungen und Unwägbarkeiten „mehr profitiert, als es darunter leidet, ist antifragil“. Was natürlich in letzter Konsequent bedeutet, offenen Auges ins Risiko zu gehen.

Faszinierende Gedanken, die tatsächlich das überbordende Sicherheitsbedürfnis des Menschen vollständig in Frage stellen und zwar nicht als nur Postulat, sondern als nachweislich „Ineffektiv“. Wer in einer Welt, die er nicht versteht (weil sie nicht im Letzten zu verstehen ist), glücklich leben können will, der muss großen, unvorhersehbaren Ereignissen „antifragil“ und handlungsbereit begegnen, diese gerade zu suchen, um sich zu entwickeln und als Person zu wachsen.

Faszinierend und in sich logisch entfaltet Taleb auf den gut 600 Seiten des Buches verständlich und mit klaren, praktischen Beispielen versehen, seinen „Aufruf zum Gang ins Risiko“. Nichts weniger als eine Umkehrung all jener Versuche aus dem Alltag heraus bis in die feinsten Verästelungen der Real- und Finanzwirtschaft hinein, Risiken zu berechnen und soweit als möglich auszuschließen.

Zum einen gelingt dies in den wesentlichen Dingen des Lebens und Wirtschaftens nicht, zum anderen verhindert es das innere Wachstum und die Entfaltung persönlicher Anti-Fragilität als Kernressource für ein gelingendes und sich entfaltendes Leben. So, wie die gesamte Natur nicht „sicher“ ist, sondern zerstört und austauscht, generiert und verschwinden lässt.

Fast staunend folgt man den Wendungen Talebs und versteht Seite für Seite besser, das sein Anliegen weniger das ist, einen moralischen oder wie immer sonst gearteten „Aufruf zur Freiheit“ von sich zu geben, sondern im Gesamten schlichtweg nachweist, dass die grundlegende Haltung des modernen Menschen westlicher Prägung einfach nicht funktioniert.

„Wir nehmen uns vor, der Belästigung durch Dinge, die wir nicht verstehen, aus dem Weg zu gehen“. Ein Vorhaben, das nicht gelingt und das, im besten Falle, nur das eigene Leben in seinen Möglichkeiten erfolgreich hemmt, Was nicht die Idee des Lebens wäre. Wobei, auch das gilt, es nicht um ein hochkomplexes „neues“ Gedankengebäude im Buch geht, sondern um eine „Reinigung zum Einfachen“ hin. Das das Einfache, das Natürliche sich entfalten kann. Und dazu gehört das Unvorhersehbare, das Risiko, das Wagnis, sich dem Leben so zu stellen, wie es einem entgegenkommt.

Ein faszinierendes Buch gegen die „Unfähigkeit, Unbeständiges zu ertragen“ und für die „einfache“ Haltung, am Risiko zu wachsen, statt ausweichen zu wollen. Eine Lebensweg, den Taleb „altertümlich-mediterran“ nennt und für den er mit seinen eigenen Handlungen geradesteht. Einfach Faszinierend.

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