Alles über und um das Licht
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Gesamtbewertung
Zusammenfassung
Eine faszinierende Lektüre mit nicht geringem Anspruch, trotz der ständigen Bemühung um eine einfache und übersichtliche Darlegung.
Gut 800 Seiten mit Informationen, Darstellungen, dass ist wahrlich kein „kleines“ Buch und die „Geschichte des Lichts und des Universums“ auch keine „Kleinigkeit“.
Elementare Bereiche der praktischen und theoretischen Physik gehören in dieses Themenfeld und werden umfassend von Leitner in diesem Buch stringent aufgenommen.
Von Newton über Bohr und Einstein, Heisenberg bis hin zu Planck und jedem anderen mit Rang und Namen in der Physik. „Qaunteln“, Quantenmechanik, Relativitätstheorie, Lichtgeschwindigkeit, die Physik der Sonne und der Sterne, die Gravitation bis hin zum Urknall. Es sind die großen Themen der Physik, die Leitner in diesem Buch wie aus einem Guss angeht. Auf den Spuren des Lichts als eine Elementarkraft des Universum (als „Besonnen“)
Zum Glück aber gilt auch das für dieses Buch: Wo Assoziationen von Formeln, die mehrere Tafeln zu ihrer Darstellung benötigen, dem Leser bei diesen Themen umgehend vor Augen treten, wählt Leitner sowohl eine überaus verständliche sprachliche Darstellung (ohne unsachgemäß zu simplifizieren) und eine ebenso kreative Darlegung von „Versuchaufbauten“ durch „Wohnungsmaterialien“.
Die zunächst und auf jeden Fall (neben ihrer jeweils sachlichen Richtigkeit) eines bewirken: Dass man sich herantraut!
Leitner baut Atome aus Sockenknäueln (Kern) und Garnrollen (Neutronen), zeigt die Verhaltensweise des Lichtes in ihrer Badewanne, erläutert die Relativitätstheorie mit zwei Kissen und einem Ball, die Lichtgeschwindigkeit mit Kisten und Körben, die Brechung des Lichtes mit einer Stehlampe, arbeitet in ihrer Wohnung mit Wellen auch im Röntgenbereich und, und, und. Und ist nie um eine Idee und einen Einfall verlegen, physikalische Experimente auf der Couch, im Schlafzimmer, im Badzimmer und an anderen Orten der Wohnung dem Leser nahezubringen.
Mittels Fotoapparat und grünen Socken die Heisenbergsche Unschärfe erläutern? Durch eine Ansammlung von Gläsern, Tassen Garnrollen und anderem „Material“ die Lichtstreuung mittels Elektronen und Ionen sichtbar gemacht? Das geht und zwar sehr gut.
Wenn anhand zweier Apfelsinen in zwei Obstschalen der Tunneleffekt dargestellt wird, mit Hilfe dessen die Überwindung der Abstoßung zweier Protone erläutert wird und die Kernfusion damit Schritt für Schritt vorgeführt wird, dann wird erfreulich deutlich, dass in einfacher und einprägsamer Form komplexe Vorgänge der Physik anschaulich dargestellt werden können.
„Physik kann nämlich tatsächlich richtig Spaß machen“. So erging es zumindest Daniela Leitner und in ihrer sehr kreativen, dabei aber nicht oberflächlichen Form ist es ihr Anliegen, diese Freude an der Sache dem Leser zu vermitteln.
In der Struktur des Buches geht Leitner dem „Licht“ Schritt für Schritt nach und stößt dabei zwangsläufig auf das „Universum an sich“. Was ist Licht? Eine Welle? Ein Teilchen? Und wie interagiert es mit unserem Auge? (Welle und Teilchen im Übrigen und doch auch keins davon, je nachdem eben. Was man aber lieber selber nachlesen sollte).
Wie schnell ist das Licht? Was bedeutet diese Geschwindigkeit für das menschliche Verständnis von Zeit und Raum?
Was ist die Sonne? Wie groß und wieweit entfernt findet sie sich vor und was bedeutet dies für den Menschen, inbegriffen der Frage, wie das „Sternenlicht“ zur Erde gelangt?
Wie ist das Sonnensystem als ganzes aufgebaut? Wie ist es entstanden?
Bis zum „Rückgriff“ auf die Frage nach den allerersten Sternen, deren Entstehung und deren Bedeutung wiederum für den Menschen in der Gegenwart.
Und wo eigentlich ist die „Grenze des Lichtes“, wie sieht diese aus und warum existiert sie?
Eine strukturierte Reise rund um das Licht bis hin zum Ende des Buches hin, in dem der Anfang „von allem“, der Urknall, thematisiert wird.
Bei aller Verständlichkeit sei dennoch klar gesagt, dass dieses Buch keine einfache Lektüre darstellt. Die Form der Darstellung und der Stil der Sprache erleichtern ohne Frage den Zugang enorm. Dennoch aber ändern die gewählten Formen an den Inhalten nichts. Und deren Verständnis ist nicht immer nur ein Problem der Formensprache, sondern vor allem das eines „zu dehnenden Geistes“ (wie Leitner es nennt).
Spätestens bei der Darlegung der Relativitätstheorie ist ein Punkt erreicht, ab dem mehrmaliges Lesen und konzentrierte Haltung beginnen, notwendig „gedehnt“ zu werden.
Trotz also der Gabe der Autorin, ihre Inhalte sehr verständlich, sehr kreativ und sehr übersichtlich zu präsentieren, bedürfen diese Inhalte einer Bereitschaft, sich wieder und wieder auf komplexe Stellen einzulassen.
Aber mit den vielfachen, sehr „erhellenden“ und teils auch überraschend einfachen grafischen Erläuterungen und bildlichen Illustrationen gelingt es doch immer wieder, den Leser „auf den Weg“ mit zu holen. So dass einem beständig „ein Licht aufgeht.
Ein wunderbares, sehr kreativ gestaltetes Buch zum Universum an sich und zum Licht im speziellen. Eine Darstellung in Form und Stil und natürlich sachlich fundiert, welche die höchstmöglichen Erfolgschancen mit sich bringt, Energie, Materie, Wellen, Teilchen und der zentralen (Erkenntnis-) Kraft des Lichts und das Universum zu verstehen.
Bis dahin, das klar wird: „Die Liste der Dinge, die genau so und nicht anders passieren durften, damit am Ende schließlich wir dabei herauskommen konnten, lässt sich beliebig lang erweitern“.