61 Stunden

Reacher zwischen Kampf und sanfter Annäherung
  • Gesamtwertung

Zusammenfassung

Auch „61 Stunden“ ist ein Höhepunkt des Thriller Genres das den Leser durchweg zu fesseln versteht.

5

61 Stunden

Seine Nachfolgerin als Vorgesetzte der Spezialeinheit der Militärpolizei, Major Susan Turner, ist es, die Jack Reacher (wenn er ehrlich ist) ein wenig aus der Fassung bringen wird. Zumindest aus der Fassung des einsam herumstreunenden Steppenwolfes, der nur besitzt, was er auf dem Leib trägt, dies alle vier Tage entsorgt und neu kauft und ansonsten keine Form der Anbindung oder Sesshaftigkeit in seinem Leben sucht. Die könnte ihn schon zu einer gezielten Reise bewegen. Spürt er.

Nur, dass dieser Reacher noch nicht einmal als Anhalter in den Bus einer Senioren-Reisegesellschaft einzusteigen vermag, ohne sich kurze Zeit später inmitten einer bedrohlichen Situation wiederzufinden.

Im Schneesturm durch einen Unfall mit dem Bus gestrandet. Schnee, der den kleinen Ort so gut wie abschneidet von der Außenwelt. Ein kleiner Ort mit vielen Angestellten Polizisten und einem modernen Gefängnis als wichtigstem Arbeitgeber. Und eine stillgelegte Militärbasis, deren ursprünglicher Zweck Gegenstand von Legenden ist. Zur Zeit „in Betrieb“ genommen von einer Gruppe harter Biker, die ihre Drogengeschäfte von dort aus organisieren. Wobei der Boss der Biker just in jenem Gefängnis unter verschärften Sicherheitsbedingungen einsitzt. Dennoch aber Wege gefunden hat, seinen Trupp eng zu führen.

Was wichtig für ihn ist, denn es gilt, eine Zeugin auszuschalten. Diese hat sein Verbrechen gesehen und könnte ihn dauerhaft hinter Gitter bringen. Aber der Killer ist schon unterwegs. Und hätte sicherlich unter den besonderen Umständen in Bolton leichtes Spiel. Wenn da nicht zufällig Jack Reacher im Ort gestrandet wäre.

Der ohne großes Aufheben, ohne viele Worte, wie es ebene seine Art ist, mehr und mehr die Fäden an sich zieht. Zum Schutz der Zeugin, einer alten Dame.

„Sie sind ein cleverer Kerl und ein guter Schütze. Aber ich bin besser als sie“.

Kein leeres Gerede. Denn sowohl der Killer als auch der einfliegende mexikanische Drogenhändler werden feststellen müssen, dass Jack Reacher auch auf sich selbst wenig Rücksicht nimmt, wenn man ihm gefährlich zu nahe kommt. Was sich vor allem im kühl, nüchtern erzählten Finale des Romans deutlich zeigen wird. Ein Finale, dass eine ganze Reihe an Fragen im Übrigen offen lassen wird. Nicht, was diesen „Fall“ angeht, der absolut gelöst sein wird, sondern was das weitere Ergehen Reachers betrifft.

Klare Sätze, prägnante Dialoge, präzise und knapp skizzierte Personen. Der Gegensatz von winterlicher Idylle und steter Gefahr, von „Postkartenschönheit“ und tödlichen Temperaturen. Und ein Reacher in Bestform. Mit wenigen Worten, stringenten Handlungen und dem Herz auf dem rechten Fleck, der aber auch vor direkter und klarer Gewalt keinen Moment zurückweicht.

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