Ein „unmodisches Wort“?
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Bewertung
Kurzfassung
Eine sehr empfehlenswerte, wirksame Lektüre.
Für Bucej ist es offenkundig, dass der Titelbegriff der „Seelenruhe aus der Mode“ gekommen ist.
Unrast, Aktivität, Effizienz, Ungeduld, das sind in seinen Augen die „leistungssteigernden Drogen heute“.
Ein ständiger Leistungsdruck, eine ständige Selbstüberforderung, die Diagnose, die Bucej stellt ist nun bei Weitem nicht neu oder unbekannt.
Anders nun aber als in der vielfachen (selbst wieder oft fordernden) Ratgeberliteratur führt der Weg hinaus und damit zu sich, den Bucej im Buch ruhig und gelassen vorlegt, in eine alte, durchdachte, „in Ruhe“ sich wieder neu anzueignende Haltung der „Bejahung der Welt“.
Die Bucej zunächst differenziert von Formen der „positiven Psychologie“.
Es geht Bucej nicht um eine bloße „Perspektivänderung“ (eines auch „sich Einredens, sich die Dinge Schönreden“), sondern um die Frage des Umganges mit der eigenen Existenz in der erlebbaren Welt.
„Wir müssen nicht annehmen, dass wir in der „besten aller möglichen Welten“ leben, es genügt, „unseren Garten zu bestellen““.
Eine Form der Demut gegenüber dem Leben dringt in seinen philosophischen Betrachtungen mehr und mehr zum Leser durch, die tatsächlich zu einer höheren Zufriedenheit „mit dem Eigenen“ führen kann, wenn man die Gedanken im Buch mehr und mehr wirken lässt.
Das man dem andern zugesteht, anders sein zu dürfen. Dass man sich gestattet (und auch herausnimmt), sich selbst zu verändern (und dabei nicht die Veränderungen für das eigene Wohlbefinden immer von „den anderen“ erwartet und, nicht selten, von den anderen einklagt), wohltuende Worte, fürwahr.
„Du darfst dein Ändern leben“ (musst es nicht) klingt nicht nur anders als das vielfach Geschriebene, Gesagte, Gemeinte „Du musst Dich ändern!“, sondern führt auch zu einer ganz anderen Form des entspannten Blicks auf das eigene Leben.
Souverän und immer mit Ruhe führt Bucej den Leser Schritt für Schritt zur Umsetzung philosophischer Erkenntnisse aller Zeiten. Erläutert die Sinnlosigkeit der Selbstüberschätzung (ständig die Welt am retten sein), umrahmt die Lehre Epikurs mit für die Gegenwart sehr verständlicher Sprache, bricht eine (große) Lanze für die Freundschaft (auch mit sich selbst), weist auf, wie der Zweifel der Seelenruhe eine große Kraft im Eigentlichen ist (Montaigne; Gut ist besser als Perfekt und anderes) und führt eindringlich dem Leser die „Kraft des Spieles“ vor Auge (natürlich ist mehr gemeint als Zeitvertreib an Gesellschaftsspielen).
Es bedarf dabei natürlich des Willens von Seiten des Lesers, sich wirklich auf die Gedankengänge einzulassen (wie man die Grenzen des Alltäglichen überschreitet und zugleich anerkennt will ja erst einmal in Ruhe verstanden und gefasst werden).
Das Wunderbare an diesem Buch aber ist, im Bild besprochen, wie der Herzschlag und der Atem sich bereits bei der Lektüre beruhigen und damit spürbar wird, was eine „Seelenruhe“ bewirkt. Das Gemeinte des Buches unvermittelt bei der Lektüre bereits in Teilen eintritt.
Es ist einfach nicht jeder „seines Glückes Schmied“ in ständiger „Anspannung“ oder im ständigen „Hinterherjagen“, sondern gerade umgekehrt. In der größtmöglichen Entspannung und dem dadurch weitest geöffneten Blick kann die rechte Gelegenheit in bester Weise wahrgenommen werden und dann, durch die ein Aktivität am rechten Ort zur rechten Zeit „am Schopfe zu packen“.
Die Welt pflegen (mit einer sehr freundlichen Grundhaltung), das Leben damit „in Ganzheit“ sehen und die Trennung überwinden, diese Grundlagen der Seelenruhe beschreibt Bucej nicht nur philosophisch kenntnisreich, sondern setzt diese spürbar bei der Lektüre des Buches in den Raum. In dem Wissen des Predigers: „Alles hat seine Zeit“.