Islamismus

Kompaktes Wissen
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Der Islamismus ist spätestens seit 2001 ständiges Thema der öffentlichen Diskussion, der Sorge, der Gefahr. Und selten waren die faktischen Gefahren durch den Islamismus so deutlich zu erkennen wie in der gegenwärtigen Lage in Syrien und im Irak.

Wobei „Islamismus“ immer nur einen sich annähernder Begriff darstellt, wie Seidenticker in seiner Einführung überzeugend erläutert. Weithin aber gilt, dass der Islamismus eine weitgehende Umgestaltung von Gesellschaft, Kultur, Staat und Politik in Richtung bestimmter Normen anstrebt, die als islamisch angesehen werden. Und das auf vielerlei Arten und Weisen, die nur zu einem kleineren Teil massiv gewalttätige Mittel anwenden.

Wobei eben nicht nur die „Mittel“ der jeweiligen Haltungen und Gruppierungen sehr differenzieren, zu einer genaueren Bestimmung, eine „Fassbarkeit DES Islamismus“ wird zudem erschwert durch den, wieder je nach Gruppierung und kulturellem Hintergrund ausgerichteter Werte, die verfolgt werden.

„Die ins Zentrum der Legitimierung gestellten „islamischen Werte und Normen“ sind bei näherem Hinsehen immer eine subjektive Auswahl und Interpretation“.

Dennoch lässt sich, folgt man Seidensticker, in großer Breite ableiten, dass eine gravierende Veränderung von (noch nicht islamistischen) Gesellschaften mit dem Ziel einer „Verabsolutierung des Islam“, ein gesellschaftlichen Leben vollkommen unter der „Souveränität Gottes“ angestrebt wird. Was bereits in diesen ersten Betrachtungen gewisse Paradoxien nach sich zieht, da ja selbst innerhalb der Bewegung des Islamismus keine völlige Einigkeit über die Auslegungen herrscht.

Woher das alles kommt, dem geht Seidensticker im Weiteren des Buches zunächst nach. Interessante historische Fakten werden hier präsentiert, welche die aktuellen Schlagworte und Gruppierungen (wie „Salafisten“, „Muslimbruderschaft“) fassbar mit Hintergrund füllen.

Trotz des eher knappen Überblicks, den Seidensticker vorlegt, werden die Kerninformationen bestens transportiert, im Nachgang erweist sich der Überblickscharakter und die verständliche Sprache dieses Buches als positives Element, denn so vermag auch der islamische Laie die beteiligten Gruppen, deren Hintergründe und deren Ziele gut zu erfassen vermag.

Dass der „Islamismus“ nicht „der Islam“ ist, dass der überwiegende Teil der Menschen muslimischen Glaubens überaus friedfertig und „weltlich“ ihren Glauben leben und dass auch in anderen Weltreligionen fundamentalistische Dogmen zu „Terrorismus“ geführt haben (wobei nicht selten diese Dogmen nur den Deckmantel (Seidensticker nennt es „Alibi“) für andere, eher weltliche Interessen dargestellt haben).

Eine gute, präzise, überschaubare und verständliche Darlegung eine der drängendsten und bedrohlichsten „religiösen“ Haltungen der Gegenwart.

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