Wunderbar erzählt
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Insgesamt:
Ein reiner Fantasy Roman ist es nicht, bei Weitem nicht, den Swann mit „Dunkelsprung“ erzählt. Obwohl sie sehr, sehr geschickt genau auf der Linie zwischen Realität und Magie agiert, obwohl die Stars des Flohzirkus aus dem Dunklen jenseits des Lebens zurückzukehren scheinen.
Immer aber kann es auch sein, dass nur eine leichte Starre vorlag, was die Flühe betrifft, es war ja kalt, da draußen wo Julius Birdwell, der wunderbare Goldschmied, begabte Einbrecher und Flohzirkusdirektor seine begabten kleinen Artisten eines Abends einfach vergessen hat.
Oder dieser Schmetterling mit dem weißen und dem schwarzen Flügel, der einiges zu tun hat mit der mangelnden Konzentrationsfähigkeit des „unkonzentrierten Privatdetektivs“ Frank Green. Sitzt er nachher wirklich mit diesem grünen, Leguan artigen Wesen in einem Schrank. Das mit seiner flinken Zunge den Schmetterling aus dem Leben fischt?
Sind es die Haare von Elizabeth Thorn, die merkwürdig frisiert sind oder kann man da zwei verschiedenartige Hörner auf dem Kopf entdecken?
Fragen über Fragen, vor allem aber treibt Julius Birdwell nach seinem unfreiwilligen Sturz ins Wasser dieser eine Frage um. War da eine Flussjungfrau und hat ihm einen Suchauftrag gegeben? Er nimmt lieber mal an, dass das so war, man will ja keinen Fluch auf sich laden.
Und so macht sich Julius auf den Weg durch London. Den Auftrag versuchen, zu erfüllen, ohne zu wissen, wo er anfangen und wo er enden soll und worum es überhaupt geht. Kümmert sich dabei um Lazarus Dunkelsprung, seinen Albinofloh und Anführer der (zu Anfang ziemlich starren) Flohtruppe, die Julius trainiert hat. Auch wenn sein Vater ihm immer mit auf den Weg gegeben hat, dass so etwas mit Flöhen gar nicht geht.
Aber William Blakes Gemäldes „Der Geist eines Flohs“ spricht da eine andere Sprache. Und seine eigenen Erfahrungen auch.
Schon früh kreuzen sich dabei die Wege von Julius und Frank Green, aber es wird dauern, bis die beiden langsam begreifen, dass ihre Aufträge Schnittmengen haben. Und ebenso trifft Julius bei einem Einbruchversuch auf Elizabeth Thorn, das merkwürdige Mädchen mit den vielen Zähnen, die zumindest den gleichen Gegner wie Julius im Visier hat. Wenn sie sich auch nicht erklärt, warum das eigentlich so ist.
Womit auch die „dunkle Gestalt“ im Buch wie in einem Nebel in ihren Konturen sichtbar wird, Issac Fawkes, der Professor, der Magier.
Mit wunderbarer Sprache erzählt Swann. Bilder und Ereignisse, die wie mit leichter Hand die Seiten füllen, den Leser umgehend atmosphärisch dicht emotional mit in das Geschehen nehmen. Mit einer Liebe für den Moment und einer Gestaltung der vielen Szenen, die einen feinen Humor und vielfach doppeldeutige Bilder des Lebens transportieren.
„Ich wollte nur, dass du es siehst“, erläutert Elizabeth bei der Betrachtung des Blake-Bildes.
„Niemand ist einfach nur, was er ist und niemand ist vollkommen das, was andere in ihm sehen. Wir sind alle etwas dazwischen“.
Und da ist es gar nicht weit, auch eine Verbindung zwischen dem Artistenleben im Flohzirkus und dem wahren Leben zu sehen. Wenn es um die goldenen Bänder geht, um das Dirigieren von außen, um das sich abstrampeln und nicht wirklich weiterkommen.
Wie so vieles andere an Erfahrungen und Erkenntnissen aus dem „wahren Leben“ von Swann in ihre intelligent konstruierte (und mit Liebe zum Detail und mit Tiefe gezeichneten Figuren) Geschichte ständig auf einer hintergründigen Ebene mit einfließen.
Wobei allein schon die Geschichte selbst mit ihren Flöhen, Leguanen, verwirrten Detektiven, vergessen machenden Hypnotiseuren und vielen Wendungen und Figuren mehr das Lesen mehr als wert ist.