Wunderbar erzählt
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Insgesamt
Kurzfassung
Trotz einiger Unklarheiten und trotz der ständigen Frage, ob das alles wirklich so unentdeckt bleiben kann, wie Mr. Heming es gelingt, eine lesenswerte, unterhaltsame und sprachlich hervorragend gestaltete Lektüre.
Es hat schon seine Vorteile, wenn man Immobilienmakler ist und zudem von Kind auf die Neigung besitzt, aus einem sicheren Versteck heraus „die anderen“ näher unter die Lupe zu nehmen.
Sei es die eigene Schwester, seien es Mitschüler, sei es so ziemlich jeder, zu dessen Haus oder Wohnung man, auf keinen Fall zufällig, einen Schlüssel besitzt. Da hat Mr. Heming schon für gesorgt im Zuge seiner Jahre als Makler, für jedes gemakelte Objekt einen Schlüssel aufzubewahren. Was im Übrigen schon bei der Berufswahl eine gewichtige Rolle gespielt hatte.
Es hat seine Vorteile, wenn ein unfreundlicher Mann seinen Hund sein Geschäft mitten auf dem Weg zur eigenen Wohnung machen lässt und sich dann einfach schulterzuckend entfernt.
Man kann dann, wie es Mr. Heming umgehend in die Tat umsetzt, den Haufen sorgfältig aufnehmen, das Haus des unfreundlichen Mannes betreten und den Haufen schön platziert auf dem Flokati im Wohnzimmer hinterlassen.
Man kann aber natürlich auch noch viel breiter, mehr und umfassender in die Privatsphäre anderer eindringen. Als „stiller Beobachter“, als einer, der im Hintergrund (und natürlich, ohne dass man das weiß), das Leben mit einem teilt.
Natürlich liegen die Wurzeln für diese „intime Bedürfnis“ tief in der Kindheit und Jugend Mr. Hemings verborgen und werden in diesem flüssigen, unaufgeregten, mit großem Sprachschatz ausgestattetem Stil Hogans langsam und Schritt für Schritt vor den Augen des Lesers ausgebreitet. Was beim Lesen nicht nur ein tiefes Verständnis für das „Sein“ M. Hemings hervorruft samt breiter Sympathien für diesen Mann (trotz seines übergriffigen „Lebensstils“), sondern auch sprachlich und literarisch für ein großes Vergnügen sorgt.
Für die nötige Lebendigkeit der Geschichte mitsamt einer gewissen Spannung und, vor allem, viel trockenem Humor (trotz der zu verurteilenden Tat) sorgt in der Gegenwart des Maklers späterhin noch eine Leiche, die „sich so ergibt“ und die er nicht so einfach wieder los werden wird.
Phil Hogan legt eine sehr interessante Gestalt kreativ dieser Geschichte zu Grunde und versteht es, viele Fäden in den beiden Zeitebenen des Romans zunächst verwirrend erscheinen zu lassen, aber dennoch späterhin zu einem großen Ganzen zusammenzuführen.
Das eine hohe Sympathie für einen durchweg unsympathisch handelnden Mann entsteht, vollzieht sich in einem ganz natürlich anmutenden Prozess, dem der Leser sich kaum entziehen kann.